Allgemein
Erblicher Risikofaktor für Parkinson identifiziert: Genvariante wirkt sich auf Vitamin B6-Stoffwechsel aus
Ein internationales Team von Ärzten und Humangenetikern hat einen neuen genetischen Risikofaktor für Morbus Parkinson identifiziert. Beteiligt waren das Institut für Humangenetik des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München, die Neurologische Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und die Mitochondrial Research Group der University of Newcastle upon Tyne, England.
"Unsere Studie zeigt das Zusammenspiel von erblichen Faktoren und
Umwelteinflüssen wie etwa Nahrungsgewohnheiten bei der Entstehung des
Morbus Parkinson," erklärt der Erstautor der Studie, Dr. Matthias
Elstner von der Neurologischen Klinik der LMU und dem Helmholtz
Zentrum. Die genomweite Expressions- und Assoziationsstudie bestätigt
zudem, dass Vitamin B6-Status und -Stoffwechsel einen weitreichenden
Einfluss sowohl auf das Krankheitsrisiko wie auch die Therapie der
Erkrankung haben. (Annals of Neurology, Dezember 2009)
Wissenschaftler der beiden Münchner Universitäten und des Helmholtz
Zentrums München haben Nervenzellen im Gehirn daraufhin untersucht,
welche Gene sich bei einer Parkinson-Erkrankung in ihrer Aktivität
verändern. Die Gruppe fand unter anderem eine erhöhte Aktivität des
Pyridoxalkinase-Gens. Anschließend verglichen die Forscher in einer
internationalen Kooperation dieses Gen bei über 1.200 Parkinson-
Patienten mit der Erbinformation von mehr als 2.800 gesunden Probanden.
So konnte eine genetische Variante entdeckt werden, die das Risiko
erhöht, an Parkinson zu erkranken. Möglicherweise führt sie zu einer
veränderten Menge oder Aktivität des Enzyms Pyridoxalkinase (PDXK) im
Gehirn. Dabei ist die verwendete Methode der Expressionsanalyse aus
Einzelneuronen richtungweisend und eröffnet in Kombination mit der
genetischen Assoziationsanalyse neue Möglichkeiten zur Analyse
genetischer Risikofaktoren.
PDXK wandelt Vitamin B6 aus der Nahrung in die im Körper aktive Form
um, welche die Voraussetzung zur Produktion des Signalstoffs Dopamin
ist. Für die Erkrankung wird das beschleunigte Altern und Absterben von
Nervenzellen verantwortlich gemacht, die den Botenstoff Dopamin
herstellen. Die verminderte Synthese des Botenstoffs erklärt die
meisten Symptome des Morbus Parkinson: Die langsam fortschreitende
neurologische Erkrankung geht mit Muskelstarre (Rigor),
Muskelzittern (Tremor) und einer Verlangsamung der Bewegungen
(Bradykinese) einher.
Neben den Einschränkungen des täglichen Lebens durch diese Symptome
kann eine verminderte Stabilität beim Aufrechthalten des Körpers
(posturale Instabilität) zu gefährlichen Stürzen führen. Überdies
können im Verlauf der Erkrankung Missempfindungen, sogenannte
vegetative Störungen (z.B. Blasenstörung) sowie Depressionen und andere
psychische Veränderungen auftreten.
"Unsere Studie zeigt das Zusammenspiel von erblichen Faktoren und
Umwelteinflüssen wie zum Beispiel Nahrungsgewohnheiten bei der
Entstehung des Morbus Parkinson," erklärt der Erstautor der Studie, Dr.
Matthias Elstner von der Neurologischen Klinik der LMU und dem
Helmholtz Zentrum. "Obwohl diese Variante nur einen kleinen Beitrag zum
Gesamtrisiko einer Parkinson-Erkrankung leistet, könnten unsere
Ergebnisse die Entwicklung maßgeschneiderter Therapien unterstützen"
berichtet Dr. Holger Prokisch, Leiter der Arbeitsgruppe für
Mitochondriale Erkrankungen am Helmholtz Zentrum München (HHZM) und der
TU Münnchen.
Publikation:
"Single cell expression profiling of dopaminergic neurons combined with
association analysis identifies pyridoxal kinase as Parkinson's disease
gene"
Elstner et.al.
Annals of Neurology, Dezember 2009
DOI: 10.1002/ana.21780
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Matthias Elstner
Neurologische Klinik der LMU und Helmholtz Zentrum München
Tel: 089 / 5160 - 5763
Fax: 089 / 5160 - 5728
E-Mail: melstner@med.uni-muenchen.de
Pressekontakt
Sven Winkler
Leiter Abteilung Kommunikation
Helmholtz Zentrum München
Tel.: +49 (0) 89 3187 - 3946
Fax +49 (0) 89 3187 - 3324
E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de
Luise Dirscherl
Leitung Kommunikation & Presse
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
Tel: +49 (0)89 2180-3423
Fax: +49 (0)89 33 82 97
E-Mail: presse@lmu.de
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.helmholtz-muenchen.de/presse-und-medien/pressemitteilungen/index.html
Quelle: Helmholtz Zentrum München - Deutsches
Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt


