Allgemein
Smartphones als Helfer im Katastrophenfall
TU Darmstadt entwickelt Software für autonomes Smartphone-Netz
Wissenschaftler der TU Darmstadt haben eine Software entwickelt, mit
der Smartphones automatisch und autonom ein energieeffizientes
Ad-hoc-Netzwerk aufbauen können. Der schnelle Aufbau eines solchen
Informationsnetzes kann in Katastrophenfällen überlebenswichtig sein,
wenn die herkömmliche Infrastruktur zerstört wurde. Die Telefone können
dann etwa Sensorinformationen über die Umgebung austauschen.
Zeit und Informationen sind zwei entscheidende Faktoren bei der
Ersthilfe im Katastrophenfall. Um angemessen handeln zu können, müssen
sich die Helfer schnellstmöglich einen Überblick über die Lage
verschaffen. Wissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt
setzen hierbei auf die Hilfe von Smartphones. „Moderne Geräte sind per
Werk mit einer Vielzahl an Sensoren wie GPS, Bewegungssensoren oder
einem digitalen Kompass ausgestattet“, erklärt Professor Ralf Steinmetz
vom Fachgebiet Multimedia Kommunikation. Mit Hilfe dieser Fühler können
sie die Umgebung abtasten und eignen sich daher hervorragend zum
Sammeln von Sensorinformationen über ihre Umwelt, wenn – wie in
Katastrophenfällen – die herkömmliche Infrastruktur ausgefallen ist.
„Und fast jeder trägt heute ein solches Gerät bei sich, eine
Informationsquelle, die es nur noch zu nutzen gilt“, so Steinmetz
weiter.
SOS-Signal startet den Aufbau des autonomen Smartphone-Netzwerks
Im Rahmen des Forschungsclusters „Future Internet“ entwickeln TU-
Wissenschaftler daher ein System von autonom agierenden Smartphones im
Katastrophenfall, dem sogenannten Overlay-hybrid Network (OHN). Sobald
die Geräte ein spezielles SOS-Signal erhalten, nehmen sie selbständig
zueinander Kontakt auf und organisieren sich zu einem Ad-hoc-Netzwerk.
Innerhalb dieses Netzwerks agieren und kooperieren die einzelnen
Smartphones als Sensorknoten und handeln eigenständig aus, welches
Gerät welche Daten sammelt und zu welchem anderen Gerät es die
Informationen überträgt. „Jedes Gerät übernimmt hierbei die Aufgaben,
die es am besten lösen kann. Das Ergebnis ist eine optimale
Informationslage für die Einsatzkräfte“, so Dr.-Ing. Parag Mogre, der
die Forschungsarbeiten leitet. „Durch die Kollaboration der Geräte
verhindern wir sowohl in einer Flut an Informationen zu ertrinken als
auch einen möglichen Datenstau – den Supergau bei einer Katastrophe,
bei der jede Sekunde zählt“, Mogre weiter.
Ein ebenso wichtiger Gesichtspunkt ist der Energieverbrauch, da die
Akkulaufzeiten der Geräte limitiert sind. Die Darmstädter setzen
deshalb bei der Datenübermittlung auf eine Kombination aus Bluetooth
und W-LAN. „Bluetooth und W-LAN ergänzen sich geradezu optimal“,
erläutert Mogre. Denn während man per W-LAN zwar eine gute Reichweite
erzielt und die Datenübertragung innerhalb kurzer Zeit durchgeführt
ist, verbraucht diese Technologie auch große Mengen an Energie, wodurch
der Akku sehr schnell entladen wird. Bluetooth dagegen hat einen
geringen Energieverbrauch, erreicht aber auch nur eine limitierte
Reichweite und benötigt relativ lange Zeit. Ist die Batterielaufzeit
eines Geräts fast am Ende, sendet es daher die Daten via Bluetooth an
einen nahe gelegenen Nachbarn mit besseren Batteriewerten. Dieser kann
die Informationen dann per W-LAN weiterleiten. Diese Methode ermöglicht
eine optimale Bandweite und Reichweite bei einem niedrigstmöglichen
Energieverbrauch.
Quelle: Technische Universität Darmstadt
