Allgemein
Schatzsuche im Bakterien-Genom
EU fördert Actinomyceten-Forscher am HZI mit 1,5 Millionen Euro
Für die Suche nach heilkräftigen Wirkstoffen aus der Natur erhält
der Nachwuchsforscher Dr. Andriy Luzhetskyy jetzt finanzielle
Starthilfe aus Brüssel. Der Europäische Forschungsrat (European
Research Council, kurz ERC) unterstützt Luzhetskyys Arbeit an
Actinomyceten, einer Gruppe von Bakterien, die zahlreiche biologisch
aktive Substanzen bilden. Mit ihrer Hilfe will Luzhetskyy potenzielle
neue Medikamente ausfindig machen, die sich beispielsweise als
Antibiotika einsetzen lassen. Der junge Wissenschaftler wird in den
kommenden fünf Jahren durch einen so genannten „ERC Starting Grant“ in
Höhe von insgesamt 1,5 Millionen Euro gefördert.
Luzhetskyy leitet eine Arbeitsgruppe am Helmholtz-Institut für
Pharmazeutische Forschung Saarbrücken (HIPS), einer Außenstelle
des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in
Braunschweig.
Actinomyceten stellen außergewöhnlich viele chemische Verbindungen her
und geben sie in ihre Umwelt ab. Einige dieser Stoffe töten oder hemmen
andere Organismen – vermutlich um den Actinomyceten einen Vorteil in
der Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum zu verschaffen. Von der
biologischen Wirkung der produzierten Substanzen kann auch der Mensch
profitieren: Zu ihrem vielfältigen Spektrum zählen Antibiotika und
Medikamente gegen Tumore.
Die Forschung kennt bereits etliche Naturprodukte aus Actinomyeten,
doch noch längst nicht alle: In den Bakterien schlummern vermutlich
noch viele ungehobene Schätze. „Actinomyceten haben rund 8000 Gene“,
erklärt Luzhetskyy. „Bei mehr als 3000 davon wissen wir nichts über
ihre Funktion.“ Das liegt unter anderem daran, dass ganze Komplexe von
Genen gewissermaßen „schlafen“ und unter normalen Laborbedingungen
nicht aktiv sind. Auf welche Weise sie angeschaltet werden und welche
Stoffe sie dann synthetisieren, ist in den meisten Fällen noch
unbekannt.
Luzhetskyy und sein Team wollen die „Schläfer“ im Mikroben-Genom jetzt
aufwecken: Mit gentechnischen Methoden, die sie speziell für die
Actinomyceten entwickeln werden, hoffen sie stillgelegte Gene
anschalten und ganze Stoffwechselwege gezielt in Gang setzen zu
können.
Luzhetskyy hat fünf Jahre Zeit, nach solchen verborgenen Naturstoffen
zu suchen. „Am Ende wollen wir ein Spektrum von Methoden für die
Produktion neuer Naturstoffe aus Actinomyceten etabliert haben“, sagt
Luzhetskyy. „Und wir hoffen, dass möglichst viele neue Medikamente
daraus entwickelt werden können.“
Quelle: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
