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Folienbeschichtung aus Molke
Fertigprodukte erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit. Geschützt werden die Lebensmittel meist durch Folien, die auf fossilen Rohstoffen basieren. Forscher haben jetzt nicht nur ein Biomaterial aus Molkeprotein entwickelt, sondern auch ein wirtschaftliches Verfahren, mit dem sich Multifunktionsfolien industriell herstellen lassen.
Ob abgepackter Camembert oder eingeschweißter Leberkäse: Ohne die
richtige Verpackung geht heute nichts mehr. Die Lebensmittel müssen
geschützt werden – vor Sauerstoff, Wasserdampf und chemischen sowie
biologischen Einflüssen. Und natürlich sollen sie möglichst lange
frisch bleiben. Oft schützen transparente Mehrschichtfolien Nahrung vor
externen Einflüssen.
Damit möglichst wenig Sauerstoff an das Nahrungsmittel gelangt, werden
häufig petrochemisch basierte und teure Polymere wie
Ethylen-Vinylalkohol- Copolymer (EVOH) als Barrierematerial verwendet.
Die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung schätzt, dass im Jahr
2014 in Deutschland mehr als 640 Quadratkilometer an Verbundmaterialien
mit EVOH als Sauerstoffbarriere-Schicht produziert und verbraucht
werden – das entspricht in etwa der Fläche des Bodensees. Da liegt es
auf der Hand, ein nachhaltiges Verpackungsmaterial zu entwickeln, das
Ökonomie mit Ökologie verbindet. In dem EU-Projekt »Wheylayer« nutzen
Forscher Molkeprotein statt petrochemisch basierter Kunststoffe. Die in
der Molke natürlich vorkommenden Inhaltsstoffe verlängern die
Haltbarkeit von Lebensmitteln, und die Molkeproteinschicht lässt sich
biologisch abbauen. Die Forschungsergebnisse sind vielversprechend. »Es
ist uns gelungen, eine Formulierung aus Molkeprotein als Basis für die
Folienbeschichtung zu gewinnen. Und wir haben einen Prozess entwickelt,
mit dem sich die Multifunktionsfolien im industriellen Maßstab
wirtschaftlich herstellen lassen«, resümiert Markus Schmid vom
Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in
Freising.
Aber lässt sich aus Molke überhaupt eine Barriereschicht
fertigen?
Zunächst haben die IVV-Wissenschaftler Süß- und Sauer-Molke
aufgereinigt und hochreine Molkeprotein-Isolate hergestellt. Um
geeignete Proteine mit herausragenden filmbildenden Eigenschaften zu
erhalten, haben sie unterschiedliche Modifikationswege geprüft. Damit
die gewonnenen Proteine den gewünschten mechanischen Beanspruchungen
standhalten, wurden sie mit verschiedenen, ebenfalls biobasierten
Weichmachern und anderen Zusätzen in unterschiedlichen Konzentrationen
formuliert. »Diese Zusätze sind allesamt zugelassene Substanzen«, sagt
Schmid. Die Suche nach der optimalen Formulierung gestaltete sich für
die Freisinger Forscher aufwändig: Verwendet man beispielsweise zu
viele Weichmacher, sinkt die Barriereeigenschaft gegenüber Wasserdampf
und Sauerstoff – das Lebensmittel wäre nicht ausreichend geschützt. Am
Ende haben die Freisinger aber nicht nur die optimale Formulierung
entwickelt, sondern auch das entsprechende Verfahren, um im
industriellen Maßstab wirtschaftlich Molkeproteinfilme auf
Kunststofffolien aufzubringen und diese durch andere Technologien mit
anderen Folien zu verbinden. So entstehen Mehrschichtstrukturen mit
Barrierefunktionen, die in flexiblen, transparenten
Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden. »Am IVV haben wir erstmals
einen solchen Mehrschichtaufbau im Rolle-zu-Rolle-Verfahren realisiert
– eine Weltneuheit«, erklärt Schmid. Unternehmen, die künftig auf
Molkeproteine umsteigen wollen, müssen ihre Anlagen nur geringfügig
umrüsten. Das entsprechende Patent ist eingereicht.
Die IVV-Forscher sind von der Zukunft der Molkeproteine als
alternatives Verpackungsmaterial so überzeugt, dass sie ein eigenes
Projekt initiiert haben, das einen Schritt weiter geht: Denn laut einer
Umfrage der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) steigt
nicht nur die Nachfrage nach Folienverbunden, sondern auch der Bedarf
an Verbunden, die sich durch Wärme verformen lassen. Deren Volumen wird
sich in Deutschland aufgrund der steigenden Nachfrage an
Fertigprodukten in Schalen von 76 497 Tonnen im Jahr 2009 auf 93 158
Tonnen im Jahr 2014 erhöhen. Die Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck
daran, in thermogeformten Verbunden die EVOH-Schicht durch eine auf
Molkeprotein basierende Barriereschicht zu ersetzen. Auch diese
alternative Anwendung schont die Ressourcen und verringert den Eintrag
von Kohlendioxid in die Atmosphäre.
Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft
