Allgemein
Auszeichnung für wegweisende Arbeiten in der biomedizinischen Grundlagenforschung
Dr. Anton Meinhart und Prof. Dr. Michael Platten erhalten Chica und Heinz Schaller Förderpreise 2011
Die Heidelberger Wissenschaftler Dr. Anton Meinhart und Prof. Dr.
Michael Platten erhalten für ihre wegweisenden Arbeiten in der
biomedizinischen Grundlagenforschung den Chica und Heinz Schaller
Förderpreis, den die C.H.S.-Stiftung für das Jahr 2011 an zwei
Preisträger vergibt. Die Preise sind mit Forschungsmitteln in Höhe von
jeweils 100.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung für Dr. Meinhart, der am
Max-Planck-Institut für medizinische Forschung (Heidelberg) eine
Nachwuchsgruppe leitet und dem Exzellenzcluster CellNetworks der
Universität Heidelberg angehört, würdigt seine innovativen
Forschungsarbeiten zur Rolle des programmierten Zelltods in Bakterien.
Prof. Platten, der am Universitätsklinikum Heidelberg und am Deutschen
Krebsforschungszentrum (DKFZ) tätig ist, wird für seine bahnbrechenden
Untersuchungen zur Bedeutung des Tryptophan-Stoffwechsels für das
Wachstum bösartiger Hirntumoren ausgezeichnet. Die Preisverleihung
findet am 6. Februar 2012 statt.
Anton Meinhart (Jahrgang 1974) studierte an der Universität Wien und
der Universität zu Köln und wurde nach einem dreijährigen
Forschungsaufenthalt an der Freien Universität Berlin im Jahr 2001 im
Fachbereich Biochemie promoviert. Nach einer Postdoktorandenzeit am
Genzentrum in München kam Dr. Meinhart 2004 an das Max-Planck-Institut
für medizinische Forschung in Heidelberg, an dem er eine
Nachwuchsgruppe in der Abteilung Biomolekulare Mechanismen
leitet.
Das Forschungsinteresse von Dr. Meinhart gilt der Bedeutung des
programmierten Zelltods von Bakterien für die Virulenz von pathogenen
Mikroorganismen und dessen Rolle beim Erhalt von
Antibiotikaresistenzen. Dieser Zelltod wird von bakteriellen
Toxin-Antitoxin-Systemen kontrolliert. Wie der Wissenschaftler
erläutert, vergiftet spontan freigesetztes Toxin das Bakterium von
innen heraus, wenn dieses kein spezifisches Toxin-neutralisierendes
Antitoxin mehr produziert. Die Arbeitsgruppe von Dr. Meinhart befasst
sich mit der Aufklärung dieses Vergiftungsmechanismus in verschiedenen
Krankheitserregern. Sie konnte zeigen, dass ein in pathogenen
Mikroorganismen weit verbreitetes Toxin- Antitoxin-System direkt in die
Synthese der bakteriellen Zellwand eingreift und dessen zentralen
Baustein – das UDP-N-Acetylglucosamin – in ein bisher unbekanntes,
universelles Gift für Bakterien verwandelt. Diese Forschungen eröffnen
neue Möglichkeiten zur Untersuchung der Bedeutung von
Toxin-Antitoxin-Systemen für den programmierten „Bakterienselbstmord“
und dessen Funktion in Bakterienverbänden. Außerdem erschließen sie
Ansatzpunkte für die Entwicklung neuartiger Antibiotika.
Michael Platten (Jahrgang 1971) studierte Medizin an der Universität
Bonn mit Aufenthalten an der Harvard Medical School in Boston (USA) und
dem Royal London Hospital (Großbritannien); 1998 wurde er in Bonn
promoviert. Im Jahr 2006 folgte die Anerkennung als Facharzt der
Neurologie sowie die Habilitation an der Universität Tübingen. Der
Wissenschaftler leitet seit 2007 am Deutschen Krebsforschungszentrum
eine Helmholtz-Nachwuchsgruppe auf dem Gebiet der „Experimentellen
Neuroimmunologie“ und wurde 2010 auf eine Startprofessur an die
Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg berufen. Er
ist leitender Oberarzt in der Abteilung für Neuroonkologie des
Universitätsklinikums Heidelberg.
Die Arbeitsgruppe von Prof. Platten hat einen neuen Stoffwechselweg
entdeckt, der die Aggressivität bösartiger Hirntumoren – sogenannte
Gliomen – beeinflusst. Das Team um Prof. Platten konnte zeigen, dass
ein bestimmtes Abbauprodukt der Aminosäure Tryptophan sowie ein Enzym,
das für die Bildung dieses Produkts verantwortlich ist, verstärkt in
Zellen aus besonders aggressiven Gliomen vorkommen. Über den
sogenannten Dioxinrezeptor löst dieses Stoffwechselprodukt zelluläre
Signalketten aus, die das Tumorwachstum fördern und das Immunsystem des
Patienten schwächen. Nach Angaben von Prof. Platten gibt es Hinweise
darauf, dass der Tryptophan-Stoffwechselweg auch für andere Krebsarten
von Bedeutung ist. Seine Arbeiten definieren einen neuen Angriffspunkt
zur Bekämpfung der schwer therapierbaren Gliome und dienen als
Ausgangspunkt für die Entwicklung neuartiger Krebsmedikamente.
Die C.H.S.-Stiftung wurde im Jahr 2000 von den Wissenschaftlern Chica
und Heinz Schaller gegründet. Sie fördert biomedizinische
Grundlagenforschung an der Universität Heidelberg durch die
Finanzierung innovativer Forschungsvorhaben. Mit der Vergabe flexibel
einsetzbarer Mittel sollen vor allem Nachwuchswissenschaftler bei der
Durchführung unabhängiger Projekte unterstützt werden. Ein wesentliches
Instrument dafür ist der Förderpreis, der seit 2005 jährlich verliehen
wird. Die Chica und Heinz Schaller Förderpreise 2011 werden im Rahmen
einer öffentlichen Festveranstaltung am 6. Februar vergeben. Sie findet
im Zentrum für Molekulare Biologie, Im Neuenheimer Feld 282,
Seminarraum 001, statt und beginnt um 16 Uhr. Alle Interessierten sind
willkommen; die Preisträger werden ihre Arbeit in englischsprachigen
Vorträgen vorstellen.
Kontakt:
Dr. Barbara Müller,
C.H.S.-Stiftung
info@chs-stiftung.de,
Telefon 0151 / 18724924
Quelle: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
