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Uni Kassel: Patentierter Multischichtfilter für leistungsfähigere Laserbauelemente
Kassel. Wissenschaftler des Instituts für Nanostrukturtechnologie und Analytik der Universität Kassel (INA) im Fachgebiet "Technische Elektronik" unter der Leitung von Prof. Dr. Hartmut Hillmer haben einen optischen Multischichtfilter entwickelt und zum Patent angemeldet.
Durch seine neuartige Architektur eröffnet der Filter die Chance,
leistungsfähigere Messgeräte, beispielsweise für medizinische Analysen,
und robuste, leistungsstarke Laser für spezielle Aufgaben zu bauen.
Solche Geräte sind bis zu zehn Mal kleiner als der Durchmesser eines
menschlichen Haars.
Die Eigenschaften von Lichtwellen werden schon lange für technische
Zwecke genutzt. In der Informationstechnologie werden Millionen von
Daten auf vielen Kanälen mit Lichtimpulsen durch ein einziges
Glasfaserkabel geschickt. In der Spektroskopie wird die Tatsache, dass
verschiedene Atome durch Licht einer bestimmten Wellenlänge und
Frequenz zum Leuchten angeregt oder absorbierend werden, für Analysen
eingesetzt. Mit so genannten Interferometern, die mithilfe von hoch
reflektierenden Spiegeln gezielt eine Überlagerung von Lichtwellen
(Interferenz) erzeugen, sind exakte Längenmessungen möglich.
Optische Filter haben die Aufgabe, aus dem Lichtspektrum je nach
Einsatzgebiet bestimmte Wellenlängen und Frequenzen zu betonen. Sie
erzeugen so einen Resonanzeffekt, der möglichst stark sein soll. Das
ist gerade bei der Übertragung von Daten mittels Licht wichtig, weil
der Datenempfänger auch über lange Distanzen noch ein starkes und
reines Signal erhalten und von anderen übertragenen Signalen trennen
können muss.
Während man früher diese Resonanz bestimmter Lichtwellen erzeugte,
indem man die Strahlen zwischen zwei, teilweise lichtdurchlässigen
Spiegeln, hin- und her reflektierte, arbeitet die moderne Technik seit
etwa 40 Jahren mit Schichten aus Materialien, die das Licht abwechselnd
stark und schwach brechen, um den Resonanz- und Filtereffekt zu
erzielen.
Der Wissenschaftler Thomas Kusserow aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr.
Hartmut Hillmer hat am INA jetzt eine Idee entwickelt, um diese Technik
zu verbessern: Während bisherige Filter aus zwei Spiegeln mit vielen
optisch gleichdicken Schichten bestehen, stapeln die Kasseler Forscher
für ihren optischen Filter viele dünne Schichten aus Siliziumoxid, und
Zirkoniumoxid, die alle eine geringfügig unterschiedliche Dicke haben,
in einem einzigen, zylinderförmigen Block übereinander.
Dies ermöglicht eine gleichmäßigere Verteilung der Lichtenergie
innerhalb des Filters. Das ist nach den Worten von Thomas Kusserow,
Gruppenleiter für Nanophotonik am INA, besonders wichtig, wenn man
diese Filter-Architektur als Laser einsetzt. Hierfür wird in den
Schichtstapel ein Hohlraum geätzt, in den ein Lasermaterial gefüllt
wird. Einem Laser wird Energie zugeführt, um das Licht in einem genau
definierten Wellenbereich zu verstärken. Wenn die Energiezufuhr steigt,
könne es bei der herkömmlichen Bauweise passieren, "dass der Laser
flackert", sagt Kusserow. Das bedeutet, dass der Laser zwischen
verschiedenen Wellenlängen hin- und herspringt und damit unzuverlässig
arbeitet. Aber auch für passive Filter ohne Hohlraum bietet die neue
Ausführung Vorteile, da ein solcher Filter erst bei höheren Energien
zerstört wird als herkömmliche Filter und neue Parameter für das
Filterdesign eröffnet.
Das Fernziel der Kasseler Forscher ist, mithilfe der neuen
Filterarchitektur "maßgeschneiderte" Laser mit hoher Energieleistung
für ganz spezielle Aufgaben zu bauen. Mit Energie "aufgetankt" würde
dieser Laser im Hohlraum des zylinderförmigen optischen Filters.
Dieser Hohlraum erlaube eine zehn- bis 20-mal höhere Energiezufuhr für
den Laser als bei herkömmlichen Geräten, sagt Kusserow.
Auch in der Medizintechnik kann sich Kusserow einen Einsatz der
Neuentwicklung vorstellen. So werden heute schon im INA
spektroskopische Geräte mit ähnlichen Bauelementen verwendet, um anhand
von Untersuchungen der Atemluft den Gesundheitszustand des Patienten zu
überwachen.
Bisher haben die Forscher die Arbeit an dem Multischichtfilter mit
Eigenmitteln der Universität bestritten. Da es sich bei der Entwicklung
aber um einen interessanten Mix aus Forschung und Anwendung handelt,
wird momentan ein Forschungsprojekt bei der Deutschen
Forschungsgemeinschaft vorbereitet. Auch Partner aus der
Laser-Industrie seien willkommen, sagt Kusserow.
Info
Dipl.-Ing. Thomas Kusserow
tel: (0561) 804 4315
fax: (0561) 804 4488
e-mail kusserow@ina.uni-kassel.de
Universität Kassel
Institut für Nanostrukturtechnologie und Analytik (INA) Fachgebiet
"Technische Elektronik"
Heinrich-Plett-Str. 40
34132 Kassel
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.ina-kassel.de - Institut
für Nanostrukturtechnologie und Analytik (INA)
Quelle: Universität Kassel


