Allgemein
TU Braunschweig: Viel Licht aus Nanodrähten - Leuchtdioden sollen Glühlampen ersetzen
Das Institut für Halbleitertechnik der Technischen Universität Braunschweig entwickelt in einem EU-geförderten Forschungsprojekt energiesparende weiße Leuchtdioden. Unter der Leitung von OSRAM Opto Semiconductor GmbH, Regensburg, wollen internationale Expertenteams aus fünf Universitäten, vier Forschungsinstituten sowie fünf Industriepartnern weiße Leuchtdioden (LEDs) kostengünstiger, noch effektiver und "weißer" machen.
Obwohl moderne LEDs aus dem Halbleitermaterial Galliumnitrid (GaN)
bereits so hell sind, dass sie in Autoscheinwerfern eingesetzt werden
können, sind Anwendungen für die Raumbeleuchtung noch die
Ausnahme.
Gerade hier könnte man aber erheblich Energie einsparen, denn etwa 20
Prozent der gesamten Stromerzeugung in Deutschland wird für Beleuchtung
genutzt. Durch den aufwendigen und teuren Produktionsprozess sind LEDs
als Glühlampenersatz noch nicht für den Massenmarkt geeignet.
Zusätzlich ist die Farbtreue von LEDs bislang nicht besonders gut, da
sich ihr abgestrahltes Licht in der Regel nur aus zwei Farben
zusammensetzt. Die Diode selbst sendet blaues Licht aus ihrer aktiven
Zone, in der zusätzlich noch Indium in die Kristallschichten eingebaut
wird. Der Indium-Anteil bestimmt die genaue Emissionsfarbe. Über der
Halbleiterdiode befindet sich eine Farbstoffschicht, die einen Teil des
blauen Lichtes absorbiert und als gelbes wieder abgibt. Zusammen
erscheint blaues und gelbes Licht weiß.
Je nach Alterungsgrad und Schichtdicke des Farbstoffs erscheint das
Licht jedoch manchmal blau- manchmal eher gelbstichig. Das menschliche
Auge ist da sehr empfindlich und kann kleinste Farbveränderungen
wahrnehmen.
"Die technologische Neuerung in unserem Projekt besteht darin, dass wir
LEDs verwenden, die nicht aus dünnen Schichten bestehen, sondern aus
dreidimensionalen Nanosäulen", erläutert Privatdozent Dr. Hergo Wehmann
vom TU-Institut für Halbleitertechnik. Solchen Strukturen in
unterschiedlichen Abmessungen um 100 milliardstel Meter (100 nm) haben
Vorteile zu herkömmlichen LEDs:
- Die kristalline Qualität von Nanosäulen wird kaum noch vom Substrat bestimmt, auf dem sie aufwachsen. Vielmehr kann man von teuren Saphir-Substraten auf preisgünstige und größere Silizium- Substrate wechseln. Dies verringert die Herstellungskosten der nanoLEDs.
- Die kleinen Strukturen sorgen dafür, dass das Licht leichter aus dem Halbleiter in die Umgebung abgestrahlt werden kann, die Säulen wirken direkt als Lichtleiter. Außerdem ist die aktive Fläche bei gleicher Grundfläche größer - eine Säule strahlt Licht auf der gesamten Oberfläche ab. Dadurch werden die nanoLEDs stromsparender arbeiten.
- Eine einzige, große strahlende Fläche kann aus vielen nanoLEDs aufgebaut werden, die unterschiedliche Farben abstrahlen. Diese Farben werden dann zu einem angenehmen, "warmen" Weiß gemischt.
Die Forschergruppe um Prof. Andreas Waag aus dem Institut für
Halbleitertechnik wird mit 850.000 Euro von der EU gefördert und
beschäftigt sich vor allem mit der Herstellung und der Optimierung der
Nanostrukturen. Das Projekt nennt sich "SMASH" (Smart Nanostructured
Semiconductors for Energy-Saving Light Solutions) und wird von der
Europäischen Kommission über die nächsten drei Jahre mit insgesamt mit
12 Millionen Euro gefördert.
Hintergrund
Das Institut für Halbleitertechnik (IHT) ist eine Einrichtung der TU
Braunschweig und gehört zur Fakultät für Elektrotechnik,
Informationstechnik, Physik. Mit etwa 40 Mitarbeitern widmet sich das
Institut der Erforschung von Halbleiter-Nanostrukturen und deren
Anwendung u. a. für nanoLEDs, thermoelektrische Generatoren,
Hochtemperatur- und Nanopartikel-Sensorik sowie Solarzellen.
Kontakt
Prof. Andreas Waag
Institut für Halbleitertechnik der TU Braunschweig
Hans-Sommer-Straße 66
38106 Braunschweig
E-Mail: a.waag@tu-braunschweig.de
Tel.: 0049-531-391-3774
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.iht.tu-bs.de
Zu dieser Mitteilung finden Sie Bilder unter der
WWW-Adresse:
http://idw-online.de/pages/de/image107139
NanoLEDs werden in einem Rasterelektronenmikroskop mit Kontakt-Spitzen
vermessen.Mithilfe des Rasterelektronenmikroskop werden die
Kontaktspitzen direkt auf einzelne nanoLEDs aufgesetzt und diese damit
kontaktiert.
Quelle: Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu
Braunschweig
