Allgemein
Neue Energiequellen aus Sonnenlicht
Uni Rostock startet das Projekt "Nano4Hydrogen"
Wasserstofferzeugung aus Sonnenenergie, das wäre ein bahnbrechender
Beitrag zu einer künftigen Energiegewinnung, die ohne fossile Rohstoffe
auskommt und die Atmosphäre nicht belastet. Mit dem Projekt
"Nanostrukturierte Materialien für die Wasserstofferzeugung"
(Nano4Hydrogen) sind Rostocker Forscher dieser alternativen
Energiegewinnung auf der Spur. Das Land Mecklenburg Vorpommern fördert
das Forschungsvorhaben mit einer Million Euro. Das über drei Jahre
laufende Projekt ergänzt das Vorhaben "Energie für die Zukunft -
Photokatalytische Spaltung von Wasser zu Wasserstoff" (Light2Hydrogen)
im Rahmen des Programms "Spitzenforschung und Innovation in den Neuen
Ländern" der Bundesregierung. Beteiligt an diesem Wissenschaftscluster
sind Wissenschaftler der Universität Rostock aus den Instituten für
Chemie und Physik und dem Rostocker Leibniz-Institut für Katalyse
(Catalysis). Projektleiter ist Prof. Dr. Ralf Ludwig vom Institut für
Chemie der Universität Rostock. An dem Projekt sind beteiligt: Prof.
Dr. Matthias Beller (Catalysis), Prof. Dr. Oliver Kühn, Prof. Dr.
Stefan Lochbrunner und Prof. Dr. Karl-Heinz Meiwes-Broer (alle
Universität Rostock, Institut für Physik).
Unstrittig ist heute, dass die Zukunft in der verstärkten Erschließung
und Nutzung erneuerbarer Energiequellen liegt. Dabei steht die
Sonnenenergie im Zentrum. Mit Hilfe von Sonnenlicht und geeigneten
Katalysatoren soll Wasser gespalten und der Energieträger Wasserstoff
erzeugt werden, ohne weitere umweltschädliche Emissionen. Damit die so
genannte photokatalytische Wasserspaltung nutzbar gemacht werden kann,
müssen geeignete Katalysatoren entwickelt werden, die diese Reaktionen
zum Wasserstoff deutlich beschleunigen. Nach Substanzen, die dieses
vollbringen können, wird im Rostocker Projekt "Nano4Hydrogen" gesucht,
genauer nach so genannten nanostrukturierten Materialien und
Nanopartikeln. Diese Teilchen sind sehr klein und bestechen durch ihre
Grenzflächeneigenschaften. Die Katalysatoren sollen so beschaffen sein,
dass eine Bestrahlung mit Sonnenlicht ausreicht, um Wasser in die
Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. Aus dem
Wasserstoff kann dann elektrische Energie erzeugt werden, ohne weitere
Treibhausgase in die Atmosphäre zu emittieren.
"Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Bisher bekannte Katalysatoren
liefern zu geringe Ausbeuten für eine technische Anwendung", erklärte
Prof. Ralf Ludwig. Zunächst wollen die Rostocker Forscher
nanostrukturierte Materialien herstellen und charakterisieren. Denn
eine durchschlagende Effizienzsteigerung ist nur bei einer
zielgerichteten Optimierung der komplizierten Reaktionsabläufe zu
erwarten, wofür die auf der molekularen Ebene ablaufenden Prozesse
bekannt sein müssen. "Für das Verständnis der Arbeitsweise der
Katalysatoren müssen theoretische und spektroskopische Methoden
weiterentwickelt werden. Ausgewählte Katalysatorsysteme werden dann
Langzeittests unterzogen, um aktive und stabile Systeme zu
identifizieren", so Ludwig.
Langfristiges Ziel des Vorhabens ist die Entwicklung technisch
nutzbarer Katalysatoren für die direkte photokatalytische
Wasserstofferzeugung aus Wasser sowie anderer Modellsubstanzen. In
gemeinsamen Aktivitäten der Physik, Chemie und Katalyse sollen
effiziente Katalysator-Materialien hergestellt werde, die eine
effiziente Wasserstoffproduktion erlauben. Für diese Optimierung müssen
die Reaktionsmechanismen und deren elementaren Prozesse auf molekularer
Ebene verstanden werden. "Nano4Hydrogen" konzentriert sich zunächst auf
spezifische grundlagenorientierte Untersuchungen.
Mittelfristig gibt es Potenzial für technische Verwertungen, wenn es
gelingt, Wasserstoff wirtschaftlich und umweltfreundlich zu erzeugen
und zu speichern. Auf beiden Gebieten wird derzeit intensiv
geforscht.
In dem Projekt werden die in Rostock vorhandenen Kompetenzen zur
Katalyse der Wasserstofferzeugung, der Modellierung von Wasser, der
Physik von Nanoteilchen, der Wechselwirkung von Licht und Materie sowie
der Photochemie in optimaler Weise gebündelt. "Ein Musterbeispiel
interdisziplinärer Forschung", sagte Ralf Ludwig. Eingebunden ist das
Forschungsvorhaben in das Department "Life, Light and Matter" der
Interdisziplinären Fakultät der Universität Rostock, die damit weiteren
Aufschwung erfährt. Die enge Anbindung und der intensive Austausch mit
dem Schwesterprojekt "Light2Hydrogen", das anderen Katalysatorsystemen
gewidmet ist, verleiht dem Forschungsthema Photokatalyse eine einmalige
Basis und führt zu starken Synergien.
Zugleich steht in Form des Rostocker Sonderforschungsbereiches 652
"Starke Korrelationen und kollektive Phänomene im Strahlungsfeld:
Coulombsysteme, Cluster und Partikel" Expertenwissen zur Licht-
Materie-Wechselwirkung zur Verfügung. Das "Nano4Hydrogen"-Projekt wird
auch von den Laboren und Hochleistungsgeräten des Forschungsbaus
"Komplexe molekulare Systeme" profitieren, der 2009 vom
Wissenschaftsrat bewilligt wurde und bald auf dem Campus Südstadt der
Universität für 20 Millionen Euro errichtet werden soll.
Kontakt:
Prof. Dr. Ralf Ludwig
Universität Rostock
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät Institut für Chemie
Telefon: ++49 (0)381-498 6350
E-Mail: ralf.ludwig@uni-rostock.de
Quelle: Universität Rostock


