Allgemein
Neuartige poröse Materialien schaffen vielfältige neue Möglichkeiten
Die Eigenschaften von Materialien bestimmen ganz wesentlich Form und Funktion vieler Produkte. Neuartige Materialien wie bspw. die sogenannten MOF-Verbindungen bieten eine Vielzahl neuer Möglichkeiten.
Metal Organic Frameworks, MOFs, sind poröse Festkörper, die aus
vielen, immer gleichen Grundbausteinen bestehen und baukastenähnlich
sehr variabel zusammengesetzt werden können. Ihre relativ einfache
Herstellung und vor allem ihre gigantisch großen "inneren" Oberflächen
von bis zu 5000 m2 pro Gramm machen MOFs für viele Anwendungen
interessant: Sie eignen sich zum Beispiel als Gasreiniger für
Brennstoffzellen - und machen so alternative Energiekonzepte für den
Fahrzeugantrieb nutzbar.
Im Rahmen eines EU-Großprojektes beschäftigen sich Dresdner Forscher
mit der Entwicklung und dem Test dieser neuen Materialien mit den
faszinierenden Eigenschaften. Unter dem Titel "nanoMOF – Nanoporous
Metal-Organic Frameworks for production" arbeiten Mitarbeiter des
Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik IWS Dresden sowie
der TU Dresden mit Partnern aus ganz Europa zusammen, um
nanostrukturierte MOFs (engl. metal-organic frameworks) den Weg in
industrielle Anwendungen zu ebenen. Das Konsortium besteht aus
multinationalen und mittelständischen Unternehmen sowie Universitäten
und Forschungsinstituten aus neun europäischen Ländern und einem
assoziiertem Land.
Konkret beschäftigen sich die Forscher mit folgenden
Fragestellungen:
Wie können Atemschutzfilter länger nutzbar gemacht werden?
Atemschutzfilter schützen vor gefährlichen Gasen bzw.
Partikeln.
Gemeinsam mit Ihren Partnern optimieren die Fraunhofer-Forscher
bspw.
die Filter in Atemschutzmasken, um eine höchst mögliche Blockfunktion
sowie längere Standzeiten zu gewährleisten.
Wie können Brennstoffzellen länger halten?
Die heutzutage immer noch dominierende Energiebereitstellung anhand
der Verbrennung fossiler Energieträger wird zunehmend von alternativen
Technologien ergänzt. Die Brennstoffzellentechnologie steht dabei mit
an vorderster Stelle. Die Lebensdauer der Brennstoffzelle und somit ihr
Einsatzpotenzial wird maßgeblich von der Qualität der eingesetzten Gase
bestimmt. Spezielle MOFs können die störenden Verunreinigungen binden
und somit das Gas sehr effizient reinigen, was zu einer beträchtlichen
Erhöhung der Brennstoffzellenlebensdauer führt.
Wie viel Erdgas passt maximal in einen Tank?
MOFs gelten als vielversprechende Materialien für eine sichere und
effiziente Speicherung von Gasen. Dabei wird die verblüffende
Eigenschaft ausgenutzt, dass eine mit einem porösen Material (bspw.
MOFs) gefüllte Gasflasche ein Vielfaches an Gas speichern kann, als
eine herkömmliche leere Druckgasflasche. Einsatzgebiete sind u. a. die
Wasserstoff- oder Erdgasspeicherung für neuartige
Automobilmotoren.
Die Forscher wollen bei der Anwendung von MOFs als Gasspeichermedium
noch einen weiteren interessanten Effekt ausnutzen: Wird das
gespeicherte Gas wieder entnommen, bleiben die Gasverunreinigungen in
den MOFs gefangen - das Nutzgas ist wesentlich reiner. Dieses
vorteilhafte Verhalten soll für die Gasbereitstellung in
Halbleiterfabriken ausgenutzt werden.
Wie können biologische Produkte effizient veredelt werden?
Ein wesentlicher Bestandteil des MOF-Gitters sind die jeweils
genutzten Metalle. Eine große innere MOF-Oberfläche bedeutet somit auch
eine große Metalloberfläche. Dass Metalle (bio)chemische Reaktionen
unterstützen bzw. erst möglich machen, ist hinlänglich bekannt - diesen
katalytischen Prozess jedoch mit nur wenigen Gramm MOF-Katalysator
nutzbar zu machen, dass versuchen die Forscher in einer weiteren
Arbeitsgruppe des EU-Projektes. Dabei steht die Umwandlung natürlicher
Rohstoffe, z. B. tierischer und pflanzlicher Fette zur Herstellung von
Nahrungsmittelzusätzen oder Hautcremes und –ölen im Zentrum des
Interesses.
Die Dresdner Forscher können bereits nach dem ersten Jahr des
europäischen Projektes hervorragende Ergebnisse vorweisen. Erste
Muster, bei denen MOFs in Textilien eingelagert wurden, stehen zur
Verfügung. Um die Wirkung der MOFs objektiv zu beurteilen, wurden neue
Sensorkonzepte entwickelt. Sie können die relevanten Gase im
Spurenbereich (also wenige Moleküle unter einer Million anderer
Moleküle) sicher nachweisen.
Kontakt:
Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS Dresden
Dr. Wulf Grählert
Winterbergstr. 28
01277 Dresden
Telefon: (0351) 83391 3406
Telefax: (0351) 83391 3300
E-mail: wulf.graehlert@iws.fraunhofer.de
Quelle: Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS
