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Mit Nanoporen gegen Krankheiten
Mit Nanoporen gegen Krankheiten. Neuartige Filtermedien mit Porengrößen im Mikro- und Nanometerbereich sollen unter anderem die schonende Zellseparation von Blut ermöglichen
Blut- oder Plasmaspender kennen ihn vielleicht - den Zellseparator.
In diesem System werden aus dem Blut Zellen von nicht zellulären
Begleitstoffen getrennt - zum Beispiel Blutkörperchen vom
Blutplasma.
Da die Unversehrtheit der abgetrennten Zellen oberste Priorität
besitzt, werden an diesen Prozess höchste Qualitätsanforderungen
gestellt. Da biologische Zellen gegenüber mechanischer Beanspruchung
empfindlich reagieren und zusätzlich zu Verklumpungen neigen, muss die
Zellseparation möglichst sanft und sehr zuverlässig
funktionieren.
Während die Zellseparation für große Mengen Blut - wie bei der
Plasmaspende - Standard ist, sind schonende Verfahren für kleine
Probenmengen noch Gegenstand der Forschung.
Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Technischen Universität
Chemnitz entwickelt derzeit für diese Form der Zellseparation neuartige
Filtermedien mit Porengrößen im Mikro- und Nanometerbereich, um die
Zellen mit minimalem mechanischem Stress isolieren zu können.
Im so genannten Innovationslabor "Mikrosysteme mit hierarchischen
Polymerstrukturen" (MikroHips) arbeiten die Professur Physikalische
Chemie unter Leitung von Prof. Dr. Werner A. Goedel, die Professur für
digitale Drucktechnologien und Bebilderungstechnik unter Leitung von
Prof. Dr. Reinhard Baumann und das Zentrum für Mikrotechnologien unter
Leitung von Prof. Dr. Thomas Geßner zusammen. Die Professur für
Marketing und Handelsbetriebslehre, die von Prof. Dr. Cornelia Zanger
geleitet wird, unterstützt das Projekt aus
betriebswirtschaftlicher Sicht auf dem Weg zur Marktreife und
koordiniert alle Anfragen aus Wissenschaft und Praxis. Den Chemnitzer
Wissenschaftlern steht zudem ein industrieller Beirat mit Vertretern
aus den Bereichen Biotechnologie und Diagnostik zur Seite. Das
Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt bis
Ende 2011 mit 1,2 Millionen Euro im Rahmen des Förderprogramms
"Forschung für den Markt im Team" (ForMaT).
In einem Teilprojekt widmen sich die Wissenschaftler insbesondere einem
Spezialfall der Zellseparation - der Plasmaseparation in der
dezentralen Humandiagnostik. "Dabei werden alle Blutzellen vom
flüssigen Blutplasma getrennt, da diese die Ergebnisse der Blutanalyse
beeinflussen können", erklärt Geßner und ergänzt: "Durch die
Möglichkeiten der Mikrofluidik konnten in den letzten Jahrzehnten viele
Analysen in so genannten Lab-on-Chip-Systemen miniaturisiert werden.
Sind diese medizintechnischen Systeme klein, mobil und hochintegriert,
spricht man auch von patientennahen oder auch Point- of-Care-Systemen.
Diese können sowohl von medizinischem Fachpersonal als auch von Laien
verwendet werden." Vorteile solcher Point-of-Care- Systeme sind neben
den geringen Probenmengen, die benötigt werden, vor allem die zeitnah
vorliegenden Analyseergebnisse. Diese können dann zu einer schnelleren
Einleitung geeigneter Therapiemaßnahmen und damit zu einer schnelleren
Genesung des Patienten führen. Solche mobilen Analysesysteme haben zum
Beispiel in Form von Blutzucker- oder Lactose-Messgeräten längst Einzug
in unseren Alltag gefunden.
"Bei der Entwicklung solcher komplexen Systeme besteht jedoch das
Problem, dass nicht alle makroskopischen Prozesse ohne weiteres
miniaturisiert und in ein mikrofluidisches Analysesystem integriert
werden können", sagt Geßner. Ein weiteres zentrales Ziel des
MikroHips-Projektes bestehe daher in der Entwicklung eines
Plasmaseparations-Moduls basierend auf Mikrosieben. Und dazu haben die
Forschungsgruppen der Professoren Goedel und. Baumann eine Technologie
patentiert, mit der aus einer Kombination von traditionellen
Membrantechnologien und Drucktechniken entsprechende Mikrosiebe
individuell und effizient hergestellt werden können. Diese Mikrosiebe
helfen entscheidend bei der Integration der Zellseparation in künftige
Lab-on-Chip-Systeme.
Stichwort: Förderprogramm "Forschung für den Markt im Team"
(ForMaT)
Mit dem zweistufigen Förderprogramm ForMaT will das Bundesministerium
für Bildung und Forschung Ergebnisse aus der öffentlichen Forschung
besser und schneller für die Wirtschaft nutzbar machen. Zum einen
sollen Wissenschaftler schon in einer frühen Projektphase analysieren,
inwieweit sich ihre Forschungen für eine Verwertung am Markt
eignen bzw. welche spezifischen Markt- und Kundenanforderungen
für die Verwertung berücksichtigt werden müssen. Zum anderen fördert
das Programm die interdisziplinäre Zusammenarbeit technisch-
naturwissenschaftlicher und wirtschafts- oder geisteswissenschaftlicher
Fachbereiche.
Die TU Chemnitz zählt zu den elf der ursprünglich 35 ausgewählten
ostdeutschen Forschungsprojekte, welche ihre Arbeit in der zweiten
Förderphase der zweiten Runde des Wettbewerbes "ForMaT" aufgenommen
haben. Das interdisziplinäre Forschungsteam aus Chemnitz stellte
überzeugend die Verwertungspotenziale ihrer neuartigen Filtermedien und
des Plasmaseparations-Moduls unter Beweis. Nun gilt es, bis Ende
2011 diese Innovationen entsprechend den Bedürfnissen des Marktes und
der Kunden weiterzuentwickeln und die Verwertung intensiv
vorzubereiten. So sollen Wege für weitere Entwicklungen in der
medizinischen Biotechnologie geebnet und damit ein wesentlicher Beitrag
zur Krankheitsvorsorge und -bekämpfung geleistet werden.
Weitere Informationen erteilt Dr. Sandra Kaminski, Professur für
Marketing und Handelsbetriebslehre, Telefon 0371 531-35382, E-Mail sandra.kaminski@wirtschaft.tu-chemnitz.de
Quelle: Technische Universität Chemnitz


