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Knochenhartes Biomaterial
Bei Operationen verwendete Schrauben sind oft aus Titan. Häufig müssen Ärzte diese Metallteile nach einer Weile entfernen oder durch neue ersetzen. Ein neuartiges Biomaterial kann diesen Schritt vermeiden: Es fördert den Aufbau von Knochen und ist zugleich abbaubar.
Fußballer, Skifahrer, Tennisspieler - viele Sportler fürchten den
Kreuzbandriss. Sind die Bänder im Knie lädiert, kommt der Patient meist
um eine Operation nicht herum, denn nur so kann man die Stabilität des
Gelenks wiederherstellen. Bei der OP ersetzt der Arzt das gerissene
Band durch ein Sehnenstück aus dem Bein und fixiert es mit einer
Interferenzschraube am Knochen. Das Problem: Die Schrauben sind aus
Titan. Nach einer gewissen Zeit muss der Arzt erneut operieren und das
Material entfernen.
Forscher am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte
Materialforschung IFAM in Bremen wollen Kreuzbandgeschädigten und
anderen Knochenpatienten diesen Schritt ersparen. Deshalb haben sie
eine Schraube entwickelt, die der Körper gut verträgt und die sich mit
der Zeit abbaut. "Wir haben Biomaterialien so verändert, dass man
daraus mit einem speziellen Spritzgussverfahren robuste bioaktive und
resorbierbare Schrauben formen kann", erklärt Dr. Philipp Imgrund,
Leiter der Abteilung Biomaterial-Technologie am IFAM. "Je nach
Zusammensetzung bauen sie sich innerhalb von 24 Monaten ab." In der
Medizintechnik nutzt man schon abbaubare Schrauben aus
Polymilchsäure.
Ihr Nachteil: Durch den Abbau können sie Löcher im Knochen
hinterlassen. Daher haben die Forscher das Material verbessert: Sie
entwickelten ein spritzgießfähiges Komposit aus Polymilchsäure und
Hydroxylapatit, einer Keramik, die Hauptbestandteil des Knochenminerals
ist. "Dieses Komposit besitzt einen höheren Hydroxylapatit-Anteil und
fördert das Einwachsen des Knochens in das Implantat", sagt
Imgrund.
Die Ingenieure haben aus den Biomaterialien ein Granulat entwickelt,
das man mit herkömmlichen Spritzgussverfahren präzise verarbeiten kann.
So entfällt die bisher notwendige Nachbearbeitung, wie etwa das Fräsen.
"Wir können die komplexe Geometrie direkt abformen", betont Imgrund.
Das Ergebnis ist eine robuste Schraube. Die Eigenschaften dieses
Prototypen sind sehr nah an der des Knochens: Mehr als 130 Newton pro
Quadratmillimeter entspricht deren Druckfestigkeit - ein echter Knochen
hält zwischen 130 bis 180 aus. Das Spritzgussverfahren hat zudem einen
positiven Nebeneffekt. Für gewöhnlich muss das Pulverspritzgussbauteil
nach dem Abformen bei sehr hohen Temperaturen von bis zu 1400 Grad
Celsius verdichtet werden. "Wir benötigen für unsere
Kompositmaterialien nur 140 Grad", freut sich Imgrund. Die Ingenieure
zeigen ihre Schraube vom 23. bis zum 25. März auf der Medtec (Halle 6,
Stand 1255) in Stuttgart.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/03/knochenhartes-biomaterial.jsp
Zu dieser Mitteilung finden Sie Bilder unter der
WWW-Adresse:
http://idw-online.de/pages/de/image110308
Chirurgen benutzen Interferenzschrauben zum Befestigen von Kreuzbändern
im Knie. Von links: gefertigt aus Polymildchsäure, Hydroxylapatit und
medizinischem Edelstahl.
Quelle: Fraunhofer Gesellschaft


