Allgemein
Hologramme aus dem Nanokosmos
Jeder kennt aus dem Alltag die Hologramme, die beispielsweise auf Kreditkarten als Sicherheitsmerkmale angebracht sind. Im Unterschied zum Foto eines Objektes, das nur die Amplitude der Lichtwelle, die von einem Objekt ausgeht, aufzeichnet, enthält ein Hologramm zusätzlich die örtliche Information über die Phase der Lichtwelle. Bei geeigneter Beleuchtung des Hologramms wird die ursprüngliche Wellenfront phasenrichtig wiederhergestellt und der Betrachter erhält einen dreidimensionalen Eindruck des Objektes.
Aber nicht diese Eigenschaft der Holografie steht im Mittelpunkt,
wenn es um die Abbildung kleinster Strukturen geht, sondern die
Tatsache, dass für die Aufzeichnung eines Hologramms keinerlei Linsen
benötigt werden. Für die Untersuchung nanometergroßer Strukturen wird
Licht mit mindestens ebenso kleiner Wellenlänge benötigt (weiche
Röntgenstrahlung). Die einzigen Linsen die in diesem
Wellenlängenbereich funktionieren (sog. Fresnel-Zonenplatten) sind sehr
aufwändig herzustellen und liefern trotzdem eine um eine Größenordnung
schlechtere Abbildungsqualität als Linsen für sichtbares Licht.
Die Vorgehensweise bei der linsenlosen Aufzeichnung eines Hologramms
besteht darin, die Lichtwelle - nachdem sie das Objekt durchstrahlt hat
- bei der Aufzeichnung mit einer Referenzwelle bekannter und dazu
stabiler (kohärenter) Phase zu überlagern (Interferenz). Als
Referenzwelle dient eine Kugelwelle, die von einem wenige Nanometer
großen Loch direkt neben dem Objekt ausgeht. Kohärente Röntgenstrahlen
stehen an modernen Synchrotron-Quellen oder an den neuen Freie-
Elektronen-Lasern wie dem Hamburger FLASH mit größter Helligkeit zur
Verfügung, so dass seit einigen Jahren Verfahren zur holografischen
Abbildung von Nanostrukturen erprobt werden.
Eine Arbeitsgruppe des Sonderforschungsbereichs 688 in Zusammenarbeit
mit Wissenschaftlern vom DESY in Hamburg und der ESRF in Grenoble hat
kürzlich das erste voll funktionsfähige Mikroskop für die Holografie
von Nanostrukturen vorgestellt. Dabei erlaubt der neuartige Aufbau aus
zwei direkt hintereinander angeordneten und präzise gegeneinander
verschiebbaren Siliziumnitrid-Membranen eine beliebige Stelle des zu
untersuchenden Objekts gezielt anzufahren und abzubilden, was mit den
bisher bekannten Verfahren nicht möglich war. Der Trick besteht darin
(Abb.1), die optisch wirksamen Komponenten - das sind ein Mikrometer
großes Loch für die Wahl des Bildausschnitts und das kleine Loch für
die Erzeugung der Referenzwelle - aus einer eigenen, undurchlässigen
Membran herzustellen. Das Objekt wird dagegen auf einer zweiten,
durchlässigen Membran präpariert, die separat gewechselt werden
kann.
Die Hologramme der einzelnen Bildausschnitte eines ausgedehnten Objekts
werden in einem sehr einfachen Verfahren (FFT) am Computer
rekonstruiert und die Bilder anschließend zusammengesetzt. Weiche
Röntgenstrahlung bietet die Möglichkeit der selektiven Abbildung
einzelner chemischer Elemente oder auch deren lokaler Magnetisierung,
was sich je nach Fragestellung gezielt ausnutzen lässt (siehe Abb.
2).
Die Zeitstruktur der Röntgenpulse verspricht darüber hinaus Information
hin zu der Pikosekunden-Skala. Gegenwärtig wird an einer Verbesserung
der Ortsauflösung auf 10 nm gearbeitet. Die Fachzeitschrift "Applied
Physics Letters" bewertete die Technik der "R öntgen-Holografischen
Mikroskopie" (XHM) als so vielversprechend, dass sie der
Veröffentlichung ein eigenes Titelblatt widmete.
D. Stickler, R. Frömter, H. Stillrich, C. Menk, C. Tieg, S. Streit-
Nierobisch, M. Sprung, C. Gutt, L.-M. Stadler, O. Leupold, G. Grübel,
and H. P. Oepen, "Soft x-ray holographic microscopy", Appl.
Phys. Lett. 96, 042501 (2010), doi:10.1063/1.3291942.
Weitere Informationen:
Dipl.-Chem. Heiko Fuchs
Institut für Angewandte Physik
Universität Hamburg
Jungiusstr. 11a, 20355 Hamburg
Tel.: (0 40) 4 28 38 - 69 59
Fax: (0 40) 4 28 38 - 24 09
E-Mail: hfuchs@physnet.uni-hamburg.de
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.sfb668.de
http://www.nanoscience.de/lexi
Zu dieser Mitteilung finden Sie Bilder unter der
WWW-Adresse:
http://idw-online.de/pages/de/image109143
Von links kommend fällt das Licht durch beide Membranen und bildet das
Holgramm auf der Kamera (rechts).
http://idw-online.de/pages/de/image109144
Abb. 2 Magnetische Domänenstruktur eines Co/Pt-Films unter dem
Einfluss einer von links nach rechts ansteigenden Eisenbedeckung.
Quelle: Universität Hamburg
