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Herausforderung für Pflanzen / WWU-Forscher an Biotechnologie-Projekt beteiligt
Was für viele Menschen genau das richtige Sommerwetter ist, ist für Pflanzen eine echte Herausforderung: Hitze und Trockenheit. Wie reagiert eine Pflanze, wenn es nicht regnet und gleichzeitig die Temperaturen in die Höhe klettern? "Das ist aus landwirtschaftlicher Perspektive eine wichtige Frage - ein großer Teil der Ernten kann durch solche Stressfaktoren verloren gehen.
Aber auch aus Sicht eines Grundlagenforschers ist das ein sehr
spannendes Thema", betont Prof. Dr. Jörg Kudla. Der Wissenschaftler vom
Institut für Botanik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
(WWU) geht daher nun gemeinsam mit einem europaweiten
Forscher-Konsortium dieser Frage nach.
Das neue Biotechnologie-Projekt "ADYSARC" ist Teil des transnationalen
Forschungsprogramms "Plant-KBBE", für das sich die
Forschungsministerien von Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal
zusammengeschlossen haben. "ADYSARC" führt Grundlagenforschung mit
angewandter Forschung zusammen und wird in Deutschland vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie von
privatwirtschaftlichen Unternehmen mit insgesamt rund 812.000 Euro für
drei Jahre unterstützt. Sechs Partner aus Deutschland, Frankreich und
Spanien sind unter der Leitung des Pflanzenbiotechnologie-Unternehmens
BASF Plant Science GmbH daran beteiligt.
Pflanzen reagieren auf ihre Umwelt. Zum Beispiel verschließen sie bei
Trockenheit die winzigen Öffnungen in ihren Blättern, die für den
Gasaustausch nötig sind. Dadurch wird die Wasserverdunstung minimiert.
Bei Hitze öffnen sich diese Poren weit, um durch Verdunstung Kühlung zu
erzeugen. "Wie diese Regulation für jeden einzelnen Umweltfaktor auf
genetischer Ebene funktioniert, ist schon recht gut erforscht. In der
Natur treten Hitze und Trockenheit jedoch oft gleichzeitig auf. Wie
löst eine Pflanze dieses Dilemma? Hier steht die Forschung noch am
Anfang", erklärt Jörg Kudla. Am Beispiel von Reis wollen die
Wissenschaftler diese Frage beantworten. Dazu suchen sie nach Genen,
die bei gleichzeitiger Hitze und Trockenheit besonders aktiv sind -
denn das ist ein Hinweis darauf, dass diese Gene eine wichtige Rolle
bei der Bewältigung der Stresssituation spielen könnten. Die
Ergebnisse, so hoffen die Forscher, können sie später auf andere
Nutzpflanzen wie Weizen oder Mais übertragen.
Sind die wichtigsten "Stress-Gene" bekannt, wollen die Wissenschaftler
durch konventionelle Züchtung Pflanzen erzeugen, bei denen diese Gene
bei Hitze und Trockenheit auf Hochtouren laufen - und die daher
besonders gut mit diesen schwierigen Umweltbedingungen klarkommen.
Dadurch sollen Ertragsverluste vermindert werden. "An unserem Projekt
sind zum Beispiel auch spanische Tomatenzüchter beteiligt. Gerade bei
Tomatenpflanzen, die ja besonders viel Wasser benötigen, wäre eine
bessere Anpassung an heiße, trockene Sommer wünschenswert", so Jörg
Kudla.
Das neue Projekt ist eines von nun insgesamt vier internationalen
"Plant- KBBE"-Projekten, bei denen münstersche Biologen mitarbeiten.
"Das BMBF beteiligt sich gegenwärtig an 22 derartigen transnationalen
Verbundprojekten. Die Münsteraner sind also stark vertreten. Das
spiegelt wider, dass die Universität Münster ihre Stellung in der
pflanzlichen Biotechnologie in Deutschland in den letzten Jahren stark
verbessert hat", betont Jörg Kudla.
Quelle: Westfaelische Wilhelms-Universität Münster
