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Helmholtz Zentrum München identifiziert neuen Abwehrmechanismus bei Pflanzen
Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München haben herausgefunden, dass Pflanzen in der Lage sind, sich gegen Krankheitserreger zu schützen, indem sie biokontrollaktive Mikroorganismen* fördern.
Dies zeigten sie am Beispiel der durch Pilze verursachten
Schwarzbeinigkeit, einer häufigen Erkrankung bei diversen
Getreidesorten. Die Ergebnisse sind in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift
Applied and Environmental Microbiology veröffentlicht.
Um sich vor Krankheitserregern zu schützen, können Pflanzen die Anzahl
bestimmter Boden-Mikroorganismen, sog. Antagonisten*, im Wurzelraum
steuern. Dies fand ein Team der Abteilung Terrestrische Ökogenetik des
Helmholtz Zentrums München unter der Leitung von Dr. Karin Schreiner
und Prof. Michael Schloter gemeinsam mit Kollegen der Universität Lyon
heraus.
Die Wissenschaftler untersuchten die Bakterien-Populationen im
Wurzelraum von Gerste und die Anfälligkeit gegenüber dem Befall mit dem
Schadpilz Gaeumannomyces graminis, dem Auslöser der Schwarzbeinigkeit.
Sie konnten zeigen, dass der Anbau von Gerste als Monokultur zu einer
spezifischen Zusammensetzung der Mikroflora im Wurzelraum führt, die
einen besonders wirksamen Schutz gegen den Schadpilz bietet. Dieses
Phänomen wurde unabhängig vom Auftreten der Krankheit beobachtet - die
beobachteten Veränderungen in der Zusammensetzung der Mikroflora in der
Rhizosphäre werden also von der Pflanze selber hervorgerufen. Die
Aktivität der Antagonisten wird hingegen durch das Vorhandensein des
Schadpilzes gesteuert. Bisher ist man davon ausgegangen, dass nur der
Schadpilz Vorkommen und Aktivität der Antagonisten beeinflusst.
Alternativen zum klassischen chemischen Pflanzenschutz sind ein
aktuelles Thema der modernen Landwirtschaft, nicht nur, um die Umwelt
zu schützen, sondern auch, weil viele Erreger von Pflanzenkrankheiten
gegen Pestizide resistent geworden sind. Daher könnten die Ergebnisse
für die landwirtschaftliche Praxis von großer Bedeutung sein: „Wenn
sich die Daten für andere Pflanzenkrankheiten bestätigen, könnten
Biokontrollpopulationen durch geeignete Fruchtfolgen gesteuert und so
der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitten reduziert werden“ so
Schloter.
*Hintergrund:
Biokontrolle: Vorkommen von Organismen im Boden, die auf
natürlichem Weg die Ausbreitung von pflanzenpathogenen Mikroorganismen
verhindern, sog. Antagonisten. Da die Antagonisten oder
biokontrollaktiven Mikroorganismen meist schwer zu kultivieren sind,
wird nach Methoden gesucht, um die Häufigkeit dieser Organismen im
Boden erhöhen und deren Aktivität stimulieren.
Originalveröffentlichung: Schreiner K. et al.: Comparison of Barley
Succession and Take-All Disease as Environmental Factors Shaping the
Rhizobacterial Community during Take-All Decline. Applied and
Environmental Microbiology, 2010. 76: 4703-12 (online)
Das Helmholtz Zentrum München ist das deutsche Forschungszentrum für
Gesundheit und Umwelt. Als führendes Zentrum mit der Ausrichtung auf
Environmental Health erforscht es chronische und komplexe Krankheiten,
die aus dem Zusammenwirken von Umweltfaktoren und individueller
genetischer Disposition entstehen. Das Helmholtz Zentrum München
beschäftigt rund 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Hauptsitz
des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens auf einem 50 Hektar
großen Forschungscampus. Das Helmholtz Zentrum München gehört der
größten deutschen Wissenschaftsorganisation, der Helmholtz-
Gemeinschaft an, in der sich 16 naturwissenschaftlich-technische und
medizinisch-biologische Forschungszentren mit insgesamt 30.000
Beschäftigten zusammengeschlossen haben – www.helmholtz-muenchen.de
Quelle: Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für
Gesundheit und Umwelt
