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Bionische Beschichtung soll Schiffen helfen, Sprit zu sparen
Eine unscheinbare Pflanze könnte bald Karriere als Klimaretter machen: Die Oberflächenhaare des Schwimmfarns sollen Schiffen zu einem zehn Prozent geringeren Kraftstoffverbrauch verhelfen.
Nees-Institut, Universität Bonn: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Wassertropfens auf einem Schwimmfarn-Blatt
Die Pflanze hat die seltene Gabe, sich unter Wasser in ein
hauchdünnes Kleid aus Luft zu hüllen und dieses monatelang
festzuhalten. Forscher der Universitäten Bonn, Karlsruhe und Rostock
haben nun aufgeklärt, wie der Farn das macht. Ihre Ergebnisse lassen
sich vielleicht zur Konstruktion neuartiger reibungsarmer Schiffsrümpfe
nutzen.
Der Schwimmfarn Salvinia molesta ist extrem wasserscheu: Taucht man ihn
unter und zieht ihn danach wieder heraus, perlt die Flüssigkeit sofort
von ihm ab. Danach ist er wieder komplett trocken. Oder
richtiger: Er war nie wirklich nass. Denn unter Wasser hüllt sich der
Farn in ein hauchdünnes Kleid aus Luft. Diese Schicht verhindert, dass
die Pflanze mit Flüssigkeit in Kontakt kommt. Und das selbst bei einem
wochenlangen Tauchgang.
Materialforscher nennen dieses Verhalten „superhydrophob“. Diese
Eigenschaft ist für viele Anwendungen von Interesse – etwa für schnell
trocknende Bademode oder eben Sprit sparende Schiffe. Es ist inzwischen
möglich, superhydrophobe Oberflächen nach dem Vorbild der Natur zu
konstruieren. Diese „Nachbauten“ haben aber einen Nachteil:
Die Luftschicht, die sich auf ihnen bildet, ist zu instabil. In
bewegtem Wasser verschwindet sie spätestens nach einigen Stunden.
Die Forscher aus Bonn, Rostock und Karlsruhe haben nun enträtselt, mit
welchem Trick der Schwimmfarn sein luftiges Kleidchen festhält. Schon
seit einigen Jahren ist bekannt, dass auf der Oberfläche seiner Blätter
winzigkleine schneebesenartige Härchen sitzen. Diese sind
hydrophob: Sie halten das Wasser in der Umgebung auf Distanz.
Wasser wird „festgetackert“
Das ist aber nur eine Seite der Medaille: „Wir haben zeigen können,
dass die äußersten Spitzen dieser Schneebesen hydrophil sind, also
wasserliebend“, erklärt Professor Dr. Wilhelm Barthlott von der Uni
Bonn. „Sie tauchen in die umgebende Flüssigkeit ein und ‚tackern’ das
Wasser gewissermaßen in regelmäßigen Abständen auf der Pflanze fest.
Die darunter sitzende Luftschicht kann daher nicht so leicht
entweichen.“
Barthlott leitet in Bonn das Nees-Institut für Biodiversität der
Pflanzen. Dort nahmen die Untersuchungen ihren Anfang, die heute
zusammen mit dem Lehrstuhl für Strömungsmechanik der Universität
Rostock und dem Institut für Angewandte Physik der Universität
Karlsruhe weitergeführt werden. „Nach Aufklärung der Selbstreinigung
durch das Lotus-Blatt vor zwanzig Jahren ist die Entdeckung des
Salvinia-Effektes eine der wichtigsten neuen Erkenntnisse in der
Bionik“, sagt Professor Dr. Thomas Schimmel von der Universität
Karlsruhe.
Weltweite Kraftstoffersparnis: ein Prozent
Und zwar eine mit gewaltigem technischen Potenzial: Bislang geht bei
Containerschiffen mehr als die Hälfte der Antriebsenergie durch Reibung
des Wassers am Rumpf verloren. Mit einer Luftschicht ließe sich dieser
Verlust nach Schätzung der Forscher um zehn Prozent reduzieren. Da
Schiffe riesige Spritschlucker sind, wäre der Gesamteffekt enorm.
Lotus und der Schwimmfarn Salvinia sind nur zwei von vielleicht zwanzig
Millionen Arten, die unseren Erdball bevölkern. Sie alle haben ihre
Geheimnisse, an deren Entschleierung man in Bonn, Rostock und Karlsruhe
arbeitet.
Kontakt:
Professor Dr. Wilhelm Barthlott
Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-1919
E-Mail: lotus@uni-bonn.de
Professor Dr. Thomas Schimmel
Institut für Angewandte Physik, KIT Karlsruhe
Telefon: 0721/608-3570
E-Mail: thomas.schimmel@physik.uni-karlsruhe.de
Professor Dr. Alfred Leder
Lehrstuhl für Strömungsmechanik, Universität Rostock
Telefon: 0381/498-9316
E-Mail: alfred.leder@uni-rostock.de
Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
