Innovationshighlight
Universitätsklinikum Heidelberg eröffnet Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum HIT
Weltweit einzigartige Anlage erweitert Behandlungsmöglichkeiten bei Krebs / Neue zielgenaue und schonende Bestrahlungstherapie wird klinisch getestet
Das Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum HIT des
Universitätsklinikums Heidelberg ist am 2. November 2009 in einem
Festakt vom Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Günther H.
Oettinger, eröffnet worden. Damit steht erstmals in Europa eine
Therapieanlage zur Verfügung, in der bösartige Tumoren sowohl mit
Schwerionen als auch mit Protonen behandelt werden können. Weltweit
einzigartig ist die drehbare Strahlführung für die Behandlung mit
Schwerionen. Insgesamt gibt es bislang weltweit nur ca. 30
Ionenstrahl-Anlagen in den USA, Japan und Europa, in denen Patienten
mit Ionenstrahlen behandelt werden können. Nach Übergabe der
Betriebsgenehmigung im Rahmen der Festlichkeiten am 2. November werden
in den kommenden Wochen die ersten Patienten im HIT behandelt
werden.
"Die Realisierung des HIT erweitert den Hochleistungsstandort
Heidelberg um ein weiteres Alleinstellungsmerkmal", erklärte
Ministerpräsident Oettinger in seinem Festvortrag. Er wies zudem auf
das einzigartige klinische und wissenschaftliche Umfeld im Bereich der
Forschung und Behandlung von Krebserkrankungen (Onkologie) hin.
Schwerpunkt Onkologie wird weiter gestärkt
"Mit der Eröffnung von HIT können wir unseren wichtigsten Schwerpunkt,
die Onkologie, weiter stärken und die interdisziplinäre Behandlung im
Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen um eine innovative
Therapieform erweitern", sagte Professor Dr. J. Rüdiger Siewert,
Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums
Heidelberg. Die Ionenstrahltherapie wird hier auf ihre
Effektivität untersucht und technisch sowie medizinisch
weiterentwickelt.
"In den nächsten Jahren werden wir die Ionenstrahltherapie bei häufigen
Tumoren wie dem Prostatakrebs, aber auch bei Tumoren im Kindesalter
wissenschaftlich untersuchen", erklärte Professor Dr. Dr. Jürgen Debus,
Ärztlicher Direktor des HIT und der Klinik für RadioOnkologie und
Strahlentherapie am Universitätsklinikum Heidelberg.
"Erhebliches unternehmerisches Risiko für eine
Innovation"
Das Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum HIT wurde seit 2004 auf
dem Campus des Universitätsklinikums Heidelberg errichtet; die
Gesamtkosten der rund 5.000 Quadratmeter großen Anlage betrugen 119
Millionen Euro, die jeweils zur Hälfte vom Bund und vom
Universitätsklinikum Heidelberg getragen werden.
"Das Universitätsklinikum Heidelberg ist mit seiner Entscheidung, 50
Prozent der Gesamtkosten über Kreditaufnahme selbst zu finanzieren
zunächst einmal ein erhebliches unternehmerisches Risiko eingegangen",
erklärte Irmtraut Gürkan, Kaufmännische Direktorin des
Universitätsklinikums Heidelberg. "Klinikumsvorstand und Aufsichtsrat
haben sich zu diesem Schritt entschlossen, um diese einmalige
Innovation in Heidelberg zu realisieren."
Ideale Einbindung in den Heidelberger Klinik-Campus
Das Gebäude, in dem ein Beschleuniger sowie drei Behandlungsplätze und
eine drehbare Strahlführung (Gantry) unterirdisch untergebracht
sind, ist in idealer Weise eingebunden in den Klinikring des
Heidelberger Campus und unmittelbar mit der Klinik für RadioOnkologie
und Strahlentherapie in der Kopfklinik sowie dem Neubau des Nationalen
Centrums für Tumorerkrankungen NCT Heidelberg, das zu Beginn des
kommenden Jahres eröffnet wird, verbunden.
Im HIT sollen künftig rund 1.300 Patienten im Jahr behandelt werden.
Das Universitätsklinikum Heidelberg hat Verträge mit den gesetzlichen
Krankenkassen über die Behandlung abgeschlossen; die Kosten eines
Bestrahlungszyklus belaufen sich auf rund 20.000 Euro.
Die Ionenbestrahlung ist ein äußerst präzises und biologisch
hochwirksames Therapieverfahren: Ionen werden über eine
Beschleunigeranlage auf bis zu 75 Prozent der Lichtgeschwindigkeit
beschleunigt. Durch millimetergenaue Steuerung des Strahls wird der
Tumor punktgenau getroffen und das umgebende gesunde Gewebe
geschont.
Klinisches Modellprojekt bei der GSI in Darmstadt
Wissenschaftliche, technische und klinische Vorarbeiten für das
Heidelberger HIT wurden im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes der
Heidelberger Klinik für RadioOnkologie und Strahlentherapie, des GSI
Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung, Darmstadt, das nach wie vor
technischer Partner des Universitätsklinikums Heidelberg ist, und des
Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg (DKFZ) in Kooperation mit
dem Forschungszentrum Rossendorf (FZR) geleistet. In einem Pilotprojekt
wurden am Beschleuniger der GSI in Darmstadt seit 1992 mehr als 400
Patienten, die an schwer behandelbaren Tumoren von Knochen-, Knorpel-
oder Weichteilgewebe litten, erfolgreich mit Heilungsraten von 80
Prozent behandelt.
Weiterer Partner beim HIT ist die Siemens AG, die die medizintechnische
Ausstattung geliefert hat. Dazu zählt die hochmoderne
Bestrahlungstechnik in Verbindung mit einem speziellen
Scanningverfahren, innovative Lösungen zur Patientenlagerung und
bildgebenden Verfahren sowie die Steuerung des Ionenstrahls. Hinzu
kommt ein Therapieplanungssystem mit dem Behandlung und Dosisverteilung
individuell für jeden Patienten bestimmt werden.
Weitere Information zum Heidelberger
Ionenstrahl-Therapiezentrum HIT im Internet:
www.hit-heidelberg.com
Hotline für Anfragen von Patienten, Angehörigen und Ärzten in
der Klinik für RadioOnkologie und Strahlentherapie:
Tel.: 06221 / 56 5445
Montag - Freitag von 8 bis 16 Uhr
Anfragen per E-Mail: strahlentherapie@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem
Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und
renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische
Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international
bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa.
Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche
Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund
7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In
mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden
jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt.
Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das
Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der
medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)
www.klinikum.uni-heidelberg.de
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de
Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse
