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Analytica Conference in München: Nanoanalytik zwischen Physik, Chemie und Biologie
Die Nanoanalytik bildet in diesem Jahr einen deutlichen Schwerpunkt der Analytica Conference, die im Rahmen der Analytica vom 1. bis 3. April als bedeutendste europäische Analytiker-Tagung stattfindet.
Drei wissenschaftliche Gesellschaften, die Gesellschaft Deutscher
Chemiker (GDCh), die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie
(GBM) und die Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und
Laboratoriumsmedizin (DGKL), zeichnen für das Programm
verantwortlich.
Einer der drei Plenarvortragenden, Professor Dr. Harald Fuchs von der
Universität Münster, zeigt, wie man mit Hilfe der Nanoanalytik
Materialuntersuchungen bis hin zur atomaren Ebene durchführen
kann.
Unter der Leitung von Dr. Tamara Appel, ThyssenKrupp Steel AG,
Dortmund, wird in Beiträgen aus der Industrie der Stellenwert der
Nanoanalytik in der Anwendung diskutiert. Hierbei soll insbesondere die
Frage beantwortet werden, inwieweit die neuen Werkzeuge bereits eine
ausreichende Hilfestellung bieten oder wo Nachbesserungsbedarf in der
Entwicklung neuer Geräte oder der Ausbildung junger Akademiker
besteht.
Die Nanowissenschaften dringen immer mehr auch in die Medizin
vor.
Einen aktuellen Überblick darüber gibt PD Dr. Patrick Hunziker vom
Universitätsspital Basel in seinem Vortrag, dem sich weitere vier
vertiefende Vorträge zur Nanomedizin anschließen. Hunziker selbst
befasst sich im Rahmen des Schweizer Nationalen Schwerpunkts
Nanowissenschaften mit winzigen Containern, die Medikamente zielgenau
an ihren Wirkort bringen sollen. Bevor die Medikamentenfähre zum
Einsatz kommt, müssen mögliche toxische Wirkungen und die "Entsorgung"
der Nanocontainer geklärt sein. Die Nanoanalytik in Biologie und
Medizin untersucht Oberflächenwechselwirkungen, beispielsweise an
Biomembranen oder einem Biosensor, der z.B. der Blutuntersuchung dient.
Die Nanomechanik leitet aus den analytischen Messungen mögliche
molekulare Mechanismen oder Adhäsionskräfte an den Oberflächen ab. Für
Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes will man auf diese Weise neue
Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten erarbeiten. In den
Analysemethoden erzielt man durch Miniaturisierung eine höhere
Sensivität. Für neue Nanobauteile in der medizinischen Analytik
zeichnen die medizinischen Systemtechniker verantwortlich.
Schließlich geht es unter dem Titel "Klein aber effektiv" um Kolloide
und Nanopartikel in der Umwelt. In dieser Sitzung, die von Professor
Dr. Fritz H. Frimmel von der Universität Karlsruhe (TH) geleitet wird,
kommen neben zwei Vortragenden aus Karlsruhe und München zwei
Wissenschaftler aus Kanada sowie je einer aus den Niederlanden und aus
Österreich zu Wort.
Nanoanalytik zum Schutz des Wassers
Es geht um die Frage nach der Belastung unserer Gewässer - und damit
letztlich auch um die Qualität unseres Trinkwassers, wenn
Wissenschaftler Kolloide und Nanopartikel im Wasser untersuchen. Diese
einfach erscheinende Aufgabe entpuppt sich im Detail als recht
schwierig, wenn man zuverlässige und seriöse Ergebnisse erhalten will;
denn in dem dynamischen System des Gewässers und auch durch Entnahme
der Wasserprobe können sich die kleinen Teilchen in Größe und Struktur
verändern. Im Visier sind sowohl natürliche Kolloide, zu denen das
Eisenoxid im Boden sowie Huminstoffe wie Fulvinsäure, gebildet durch
Mikroorganismen im Boden, oder wie Mixturen aus Polysacchariden zählen
als auch gezielt hergestellte und technisch genutzte
Nanopartikel.
Kolloide haben eine Größe von etwa einem Nanometern bis zu einem
Mikrometer und sind daher z.T. auch den Nanopartikeln
zuzurechnen.
Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang auch die
Wechselwirkungen zwischen Huminstoffen und den Metalloxiden bzw.
-hydroxiden. Die molare Masse, der pH-Wert, die Ladung der Spezies und
die Ionenstärke beeinflussen solche Wechselwirkungen und müssen in die
analytischen Bestimmungen einbezogen werden.
In Kanada hängen fast neun Millionen Menschen vom Grundwasser als
Trinkwasserquelle ab. Auch bei dieser Ressource besteht die
Möglichkeit, dass sie durch mikrobielle pathogene Keime oder winzige
Parasiten verunreinigt wird - durch Infiltration mit Abfallstoffen aus
der Tierhaltung oder aus undichten Faulgruben oder
Abwasserkanälen.
Wenig ist darüber bekannt, wie toxigene Mikroorganismen als pathogene
Biokolloide mit dem Grundwasser transportiert werden und wie lange sie
dort verbleiben. Erst moderne Analysenmethoden machen es möglich, in
Modellversuchen z.B. mit sandgepackten Säulen, Veränderungen der
Biokolloide zu verfolgen und vor allem die bakteriellen Zelloberflächen
zu charakterisieren, von denen es auch abhängt, ob oder wie lange die
Teilchen an Sand oder Erde haften.
Auch über Müllkippen und -deponien gelangen die unterschiedlichsten
kolloidalen Stoffe ins Grundwasser. Mit Hilfe der analytischen Chemie
ließ sich feststellen, dass es offenbar eine wirkungsvolle
physikalisch-chemische Barriere zwischen dem Müll und dem Grundwasser
gibt: der Wechsel des Redoxpotentials. Von ihm scheint es
abzuhängen, in welchem Maße die Kolloide die Grundwasser führende
Schicht in der Nähe der Deponie mit einer recht widerstandsfähigen
Beschichtung quasi auskleiden - versiegeln.
Bei den Nanopartikeln interessieren vor allem auch die anthropogenen
Ursprungs, beispielsweise Titandioxid, das als das wichtigste
Weißpigment in der Farben-, Lack-, Kunststoff- oder Papierindustrie
Einsatz findet. Die Wasserchemiker müssen auf unterschiedliche Methoden
zurückgreifen, wollen sie die nanoskaligen Systeme charakterisiern.
Dazu gehören die Rasterkraftmikroskopie, die
Rasterelektronenmikroskopie, die Fluoreszenz-Korrelations-
Spektroskopie, die dynamische Lichtstreuung oder die
Kapillarelektrophorese - recht junge analytische Methoden, die durch
ständig neue Anwendungen eine stetige Entwicklung erfahren.
Mit der Nanotechnologie will man neue Materialien mit verbesserten
Eigenschaften entwickeln. Schon jetzt finden die so genannten
Nanoprodukte Anwendung im täglichen Leben und in der Industrie,
beispielsweise in der Kosmetik, in der Medizin, bei katalytischen
Verfahren oder der Behandlung von Oberflächen. So gelangen Nanopartikel
immer mehr in die Umwelt. Wie sie sich dort, vor allem auch im Wasser,
verhalten, ist wenig bekannt. Die Wissenschaftler experimentieren mit
bekannten analytischen Methoden und entwickeln sie für ihre
Fragestellungen weiter. Ein Zauberwort heißt
Kopplungstechniken: analytische Trennverfahren, z.B.
Säulenchromatographie oder die asymmetrische Fluss Feld-Fluss
Fraktionierung, gekoppelt mit elementspezifischer Detektion, z.B.
Massenspektrometrie.
Besonders interessiert die Frage, wie schnell Nanopartikel in
Oberflächenwässern vom Sediment festgehalten werden. Auch hier spielt
die chemische und physikalische Oberflächenbeschaffenheit der
Nanopartikel und des Sediments eine entscheidende Rolle und ganz
offenbar auch die Bildung so genannter Biofilme auf der Oberfläche der
Sedimente. Deren Bildung und Stärke ist von vielen Parametern abhängig,
so von dem pH-Wert oder der Art und Konzentration elektrisch geladener
Teilchen, der Ionen, im Wasser.
Die GDCh hat aus ihrer Organisationsstruktur heraus jene Fachgruppen
mit der wissenschaftlichen Programmgestaltung der Analytica Conference
beauftragt, die sich ganz wesentlich mit analytischen Fragestellungen
beschäftigen. Dazu gehört zu vorderst die Fachgruppe Analytische
Chemie, aber natürlich auch die Wasserchemische Gesellschaft als
Fachgruppe in der GDCh. Die DGKL hat zum Programm die Session
Nanomedizin beigesteuert. Die GBM bietet u.a. eine Vortragsreihe über
"Protein Microassay Technology" an. (Aktuelles Programm)


