Allgemein
Verbraucher stehen der Entwicklung der Nanotechnologie überwiegend positiv gegenüber
BfR-Studie zeigt jedoch auch, dass Nanopartikel in Lebensmitteln mehrheitlich abgelehnt werden
Verbraucher sehen die Entwicklung der Nanotechnologie überwiegend
positiv, allerdings lehnen viele den Einsatz von Nanopartikeln in
Lebensmitteln ab. Das hat eine repräsentative Befragung von 1000
Verbrauchern im Auftrag des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)
ergeben, die jetzt in Berlin vorgestellt wurde. 66 Prozent der
Befragten versprechen sich von Nanotechnologie eher Nutzen als Risiken,
sie akzeptieren Nanotechnologie aber nicht in allen Anwendungsbereichen
gleichermaßen. "Wir haben festgestellt, dass Verbraucher die
Nanotechnologie weniger nach Fakten beurteilen, sondern viel mehr nach
emotionalen Kriterien. Die so genannten gefühlten Risiken spielen bei
der Wahrnehmung neuer Technologien eine bedeutende Rolle", sagt
BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Ein weiteres Ergebnis
der Studie war, dass Nanotechnologie in den vergangenen drei Jahren bei
Verbrauchern deutlich bekannter geworden ist. Bei der Informationssuche
bringen sie aber nicht allen Informationsgebern dasselbe Vertrauen
entgegen. Am besten fühlen sich die Befragten durch Verbraucherverbände
informiert, am wenigsten vertrauen sie Äußerungen von Politikern.
Der Begriff Nanotechnologie ist unter Verbrauchern bekannter
geworden.
2004 konnten im Rahmen einer Studie noch 15 Prozent angeben, wo ihnen
der Begriff schon einmal begegnet ist, in der aktuellen Befragung im
Auftrag des BfR waren es schon 52 Prozent. Die Befragten schätzen
Nanotechnologie als technische Entwicklung, die in vielen
Lebensbereichen Verbesserungen bringen wird. Zwei Drittel versprechen
sich von Nanotechnologie mehr Nutzen als Risiken und befürworten eine
Weiterentwicklung. Allerdings fordern sie auch, dass mögliche Risiken
erforscht werden.
Das positive Urteil der Nanotechnologie bezieht sich nicht auf alle
Anwendungsbereiche. Am meisten versprechen sich die Befragten von
Nanotechnologie im medizinischen Bereich. Der Zuspruch in
verbrauchernahen Anwendungsbereichen nimmt ab, je näher der eigene
Kontakt der Verbraucher mit dem Produkt wird: So befürworten 86 Prozent
den Einsatz von Nanopartikeln in Farben und Lacken, die deren Kratz-
und Abriebfestigkeit erhöhen. Ähnlich hoch ist der Zuspruch für
Textilien, die durch Nanotechnologie Schmutz abweisen sollen.
Akzeptiert werden Nanopartikel auch in Verpackungsmaterialien und
Sonnenschutzmitteln, eine verbesserte Wirkung anderer kosmetischer
Mittel durch Nanopartikel befürworten allerdings nur 53 Prozent.
Mehrheitlich abgelehnt wird Nanotechnologie in Lebensmitteln: einen
"Nano"-Zusatz in Gewürzen, der das Verklumpen verhindern würde, lehnen
69 Prozent der Befragten ab, 84 Prozent möchten keine Lebensmittel, die
beispielsweise durch den Einsatz von Nanopartikeln länger ansehnlich
gehalten werden.
Ihre Informationen zu Nanotechnologie beziehen Verbraucher nach den
Ergebnissen der Studie aus allen großen Medien - Fernsehen,
Tageszeitungen, Zeitschriften und Internet, weniger aus dem Radio. Wie
sehr Verbraucher den Informationen zum Thema Nanotechnologie trauen,
hängt davon ab, wer diese Informationen gibt: Das höchste Vertrauen
genießen Verbraucherorganisationen, wie die Verbraucherzentralen und
Stiftung Warentest, und die Wissenschaft (jeweils 92 Prozent). Am
unteren Ende der Vertrauensskala rangieren Wirtschaft und Politik, die
von 32 bzw. 23 Prozent der Befragten als vertrauenswürdige
Informationsquelle angesehen werden.
Die vom BfR in Auftrag gegebene Studie war in zwei Teile untergliedert.
Im ersten Teil - einer psychologischen Grundlagenstudie mit
qualitativen Interviews mit 30 Personen - wurde ermittelt, welche
Einstellungen Verbraucher zum Thema Nanotechnologie haben und welches
Image Nanotechnologie bei Verbrauchern besitzt. Der zweite Teil bestand
in der quantitativen Befragung von 1000 Personen. Der Abschlussbericht
der Studie erscheint im Frühjahr 2008 und wird auf der Internetseite
des BfR veröffentlicht.
